UNESCO Weltkulturerbe Quedlinburg 

Geschichte, die man erleben kann

Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um in eine andere Welt einzutauchen. In Quedlinburg reicht dafür ein Spaziergang durch die Altstadt. Kopfsteinpflaster unter den Füßen, schiefe Fachwerkhäuser, kleine Gassen und mittendrin der Schlossberg mit seiner Stiftskirche. Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte jemand ein Stück Geschichte stehen lassen.

Genau das macht Quedlinburg so besonders.

Seit 1994 gehört die historische Altstadt von Quedlinburg zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für uns ist das nicht nur eine Auszeichnung, die irgendwo auf einer Liste steht. Es ist etwas, das man bei einem Spaziergang durch die Stadt tatsächlich sehen, anfassen und erleben kann.

Und gerade mit Kindern wird ein Besuch in Quedlinburg schnell zu einer kleinen Zeitreise.

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Was bedeutet eigentlich UNESCO-Weltkulturerbe?

Beginnen wir mit einer Frage, die sich viele wahrscheinlich schon einmal gestellt haben: Was bedeutet dieses „UNESCO-Weltkulturerbe“ eigentlich?

Die UNESCO – die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur – zeichnet Orte aus, die für die gesamte Menschheit eine besondere Bedeutung besitzen. Sie sollen geschützt und für zukünftige Generationen erhalten werden.

Quedlinburg war nicht immer die beschauliche Fachwerkstadt, die wir heute kennen. Im Mittelalter war die Stadt ein bedeutender Ort für Könige und Kaiser, ein Zentrum politischer Macht und später eine wohlhabende Handelsstadt.

Genau diese Verbindung aus Geschichte, Stadtstruktur und außergewöhnlich gut erhaltenen Gebäuden macht Quedlinburg heute zu einem UNESCO-Weltkulturerbe.

Am 17. Dezember 1994 wurde die Stadt mit der Stiftskirche, dem Schloss und der historischen Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Seit 2015 darf Quedlinburg offiziell den Titel „Welterbestadt“ tragen.

 

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Als Quedlinburg zum Mittelpunkt deutscher Geschichte wurde

Eine der wichtigsten Personen in der Geschichte Quedlinburgs ist Heinrich I.

Heinrich wurde um 876 geboren und stammte aus dem sächsischen Adelsgeschlecht der Liudolfinger. Im Jahr 919 wurde er zum König des ostfränkischen Reiches gewählt. Damit begann eine neue Epoche: Heinrich I. wurde zum Begründer der später als ottonisch bezeichneten Herrscherdynastie.

Und Quedlinburg spielte dabei eine ganz besondere Rolle.

Der Überlieferung nach soll Heinrich im Jahr 919 am sogenannten Finkenherd, am Fuß des heutigen Schlossberges, die Nachricht von seiner Königswahl erhalten beziehungsweise dort die Königskrone empfangen haben.

Ob sich diese Szene genau so abgespielt hat, lässt sich heute natürlich nicht mehr mit letzter Sicherheit feststellen. Die Geschichte gehört aber fest zur Erinnerungskultur der Stadt.

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Heinrich machte Quedlinburg zu einem wichtigen Ort seiner Herrschaft. Die Königspfalz entwickelte sich zu einem politischen Zentrum.

Zwischen 922 und 1207 besuchten deutsche Könige und Kaiser Quedlinburg insgesamt 69 Mal.

Wenn man heute mit Kindern durch die Stadt läuft, lohnt es sich also, sich einmal vorzustellen: Hier waren tatsächlich Könige und Kaiser unterwegs. Nicht in einem Museum. Nicht auf einer Filmkulisse. Sondern genau dort, wo heute Familien durch die Altstadt spazieren.

Heinrich I. starb im Jahr 936.

Er wurde auf dem Burgberg in Quedlinburg beigesetzt. Seine Ehefrau, Königin Mathilde, gründete noch im selben Jahr an diesem Ort ein Damenstift. Dieses Stift sollte fast 900 Jahre bestehen.

Das Stift war allerdings kein Kloster im klassischen Sinne. Hier lebten vor allem Frauen aus dem Hochadel. Sie widmeten sich dem religiösen Leben, Bildung und der Verwaltung des Stifts. Das Quedlinburger Damenstift entwickelte sich zu einer bedeutenden geistlichen und politischen Institution.

Und damit begann auch die lange Geschichte des Stiftsbergs, der bis heute das Stadtbild prägt.

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Vom Herrschaftszentrum zur Stadt

Quedlinburg entwickelte sich nicht nur rund um den Schlossberg.

Rund um den Burgberg entstanden verschiedene Siedlungsbereiche. Händler und Handwerker ließen sich westlich und später nördlich des Schlossberges nieder. Weitere Siedlungen kamen hinzu.

Aus diesen einzelnen Bereichen entwickelte sich nach und nach die mittelalterliche Stadt.

Genau diese Entwicklung kann man heute noch im Stadtbild erkennen.

Das ist einer der Gründe, warum Quedlinburg für die UNESCO so interessant ist: Nicht nur einzelne Gebäude sind erhalten geblieben. Der mittelalterliche Stadtgrundriss ist in großen Teilen noch ablesbar. Die Stadt erzählt ihre Geschichte also nicht nur durch ihre Häuser, sondern auch durch die Anordnung ihrer Straßen, Plätze und Viertel.

Quedlinburg war außerdem eine Handelsstadt. Im Mittelalter siedelten sich Händler und Handwerker rund um die verschiedenen Siedlungsbereiche an. Märkte und Handelswege trugen dazu bei, dass die Stadt wirtschaftlich an Bedeutung gewann. Später wurde Quedlinburg sogar Mitglied der Hanse.

 

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Warum gibt es in Quedlinburg so viele Fachwerkhäuser?

Jetzt kommen wir zu dem Teil, der Quedlinburg heute wahrscheinlich am bekanntesten macht: das Fachwerk. Im Welterbegebiet stehen rund 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten. Das ist außergewöhnlich.

Denn Fachwerkhäuser sind nicht einfach nur hübsche alte Häuser. Sie erzählen viel darüber, wie Menschen früher gebaut und gelebt haben.

Ein Fachwerkhaus besteht vereinfacht gesagt aus einem hölzernen Tragwerk, dessen Zwischenräume ausgefüllt wurden. Die Konstruktion konnte je nach Zeit und Region unterschiedlich aussehen.

Und genau deshalb lohnt es sich, beim Spaziergang einmal genauer hinzusehen.

Wer aufmerksam durch Quedlinburg läuft, entdeckt unterschiedliche Fachwerkformen, Verzierungen und Konstruktionen. Die Häuser sind gewissermaßen ein Bilderbuch der Baugeschichte.

Anhand der Gebäude lässt sich nachvollziehen, wie sich das Bauen über Jahrhunderte verändert hat. Die Stadt selbst bezeichnet ihren Fachwerkbestand als eine Entwicklung über acht Jahrhunderte.

Quedlinburg hat nicht aufgegeben

Quedlinburg hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Anstrengungen unternommen, um die historische Bausubstanz zu erhalten. Dabei war die Situation nicht immer einfach.

Gerade in der Zeit der DDR verfielen viele historische Gebäude. Einige Häuser waren stark sanierungsbedürftig, andere wurden durch Neubauten ersetzt. Die UNESCO weist darauf hin, dass in einzelnen Bereichen der Stadt in den späten 1980er-Jahren auch industrielle Plattenbauten an die Stelle abgerissener Gebäude traten. Diese Bereiche machen jedoch nur einen relativ kleinen Teil des historischen Stadtbildes aus.

Heute gehört der Schutz des historischen Stadtbildes zu den wichtigsten Aufgaben der Welterbestadt. Wenn also ein altes Fachwerkhaus restauriert wird, geht es nicht nur um ein schönes Gebäude. Es geht darum, ein Stück Geschichte für die nächsten Generationen zu bewahren.

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Quedlinburg für Familien: Geschichte zum Anfassen

Und genau hier schließt sich der Kreis zu unserem Familienurlaub.

Denn Geschichte muss nicht langweilig sein. Quedlinburg bietet die Möglichkeit, Geschichte nicht nur zu lesen, sondern tatsächlich durch sie hindurchzulaufen.

Wenn wir über Quedlinburg sprechen, sagen wir manchmal: Hier ist Geschichte nicht hinter Glas.

  • Sie steht vor der Tür
  • Sie liegt unter den Füßen
  • Sie steckt in den Balken der Häuser
  • Sie zeigt sich in den Straßenverläufen
  • Sie sitzt oben auf dem Schlossberg

Und sie begegnet einem manchmal ganz unerwartet – wenn man um eine Ecke biegt und plötzlich vor einem Fachwerkhaus steht, das schon mehrere Jahrhunderte erlebt hat.

Vielleicht ist genau das die besondere Magie von Quedlinburg. Die Stadt muss ihre Geschichte nicht laut erzählen. Man muss nur aufmerksam genug sein, ihr zuzuhören.

Eure Gästebetreuerin Dominique Liedtke seit 2022 im Team vom Family Club.